Dänische Regierungschefin: US-Angriff auf Grönland wäre Ende der NATO

Von | 6. Januar 2026

Fragt man die Menschen in Grönlands Hauptstadt Nuuk nach Donald Trump, sind die Reaktionen eindeutig: Eine Frau zeigt dem Kamerateam des dänischen Fernsehens ihren Mittelfinger, als sie auf ihn angesprochen wird. Eine andere nennt den US-Präsidenten: „Donald f[…] Trump!”

Unter den Passanten eine Stimmung zwischen Frust und Sorge:

„Er will uns annektieren, aber das wollen wir nicht.“

„Es bleibt dabei: Man kann uns nicht kaufen.“

„Ich frage mich: Kommen die jetzt einfach und besetzen uns? Wir sind ein kleines, verletzliches Volk. Wer könnte uns in so einem Fall beschützen?“

In Grönland leben nur rund 56.000 Menschen. Die Insel gehört als autonomer Teil des dänischen Königreichs zum Militärbündnis NATO – genau wie die USA. Die Amerikaner sind außerdem schon lange präsent, haben eine eigene Militärbasis. Das scheint Trump aber nicht zu reichen. Schon mehrfach hat er Anspruch auf Grönland erhoben, zuletzt am Sonntag – man brauche Grönland für die nationale Sicherheit, sagte er.

„Dann ist es vorbei mit der Weltordnung“

Nach dem militärischen Eingriff in Venezuela wächst in Dänemark inzwischen die Sorge, Trump könnte bald Fakten schaffen. Ministerpräsidentin Mette Frederiksen nimmt die Lage ernst. Am Abend stellt sie sich im dänischen Fernsehen den Fragen von Journalisten und Bürgern und warnt die USA vor einer Eskalation: „Ich sage es ganz direkt: Wenn die USA ein anderes NATO-Land angreifen, dann war’s das“, so Frederiksen. Das heiße: auch die NATO. „Dann ist es vorbei mit der Weltordnung, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs aufgebaut worden ist, vorbei mit den demokratischen Spielregeln. Alles fällt in sich zusammen, wenn ein NATO-Land ein anderes angreift.“

Unterstützung bekommt sie aus Europa. Viele Regierungen, darunter auch die deutsche, stellen sich hinter sie. „Nur Grönland und das Königreich Dänemark haben über ihre eigene Zukunft zu entscheiden“, sagte etwa der britische Premierminister Keir Starmer.

Experte skizziert zwei Szenarien

Dänemarks Ministerpräsidentin Frederiksen appelliert an die US-Regierung, sich an internationale Spielregeln zu halten: „Wir leben in unruhigen Zeiten“, sagt sie. „Aber wenn wir die grundlegendsten Werte fallen lassen, dann stehen wir alle schlechter da.“

Viele Menschen in Grönland und Dänemark fragen sich jetzt: Wie kann es weitergehen? Jon Rahbek-Clemmensen, Arktis-Forscher von der dänischen Verteidigungsakademie, hält im dänischen Rundfunk zwei Szenarien für realistisch: Eine Möglichkeit sei, dass der Konflikt die nächsten Jahre so weitergeht, mit immer wieder neuen Drohungen der USA und Empörung auf der Seite Grönlands und Dänemarks.

Karte: Grönland, Dänemark und USA

„Eine andere Möglichkeit ist, Trump eine Art Ausstiegsszenario zu bieten. Die dänische Regierung hat vor Kurzem mehr Investitionen in Grönlands Verteidigung beschlossen. Trump könnte sagen, genau das wollte ich erreichen, ich habe gewonnen.“

Dafür müsste es ihm aber um Inhalte gehen, meint der Forscher. Doch viele Menschen in Grönland befürchten, dass Trump versuchen könnte, sein altes Wahlversprechen wörtlich zu nehmen, Amerika größer zu machen – zumindest auf der Landkarte.

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