Ein milliardenschwerer Großauftrag aus Kanada für Kieler Schiffbauer

Von | 7. Juli 2026

Es war eine knappe Entscheidung, betonte Kanadas Premierminister Mark Carney kurz vor seiner Abreise zum NATO-Gipfel nach Ankara. Monatelang konkurrierten Deutschland und Südkorea um den größten Rüstungsauftrag in der kanadischen Geschichte.

Nun die Entscheidung: Der deutsche Marineschiffbauer TKMS aus Kiel soll die neue U-Boot-Flotte für Kanada bauen. „Bei dieser Entscheidung ging es darum, die beste Plattform und Partnerschaft auszuwählen, um Kanadas strategischen Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen gerecht zu werden“, erklärte Carney.

Überwachung und Abschreckung in der Arktis

Es geht um den Bau von zwölf hochmodernen U-Booten der Klasse 212CD. Diesen Typen hat die ThyssenKrupp-Rüstungstochter TKMS gemeinsam für die deutsche und die norwegische Marine entwickelt. Jetzt steigt auch Kanada als drittes NATO-Land mit ein. So kann eine trilaterale Flotte der drei Partner entstehen.

Für Carney steht dabei besonders die Überwachung und Abschreckung in der kanadischen Arktis im Fokus: „Unsere Arktis wird zu einem wesentlichen Bestandteil der Sicherheit Nordamerikas und der Westflanke der NATO. Unsere eisbedeckten Meere werden zunehmend befahrbar, was neue Bedrohungen, aber auch neue Chancen mit sich bringt.“

Wegen der Spannungen mit dem Nachbarn USA setzt Kanadas Premierminister Carney zunehmend auf europäische Partner. Gemeinsam wollen sie der Aufrüstung von Russland und China in der Arktis etwas entgegensetzen. Das schmelzende Polareis macht neue Schifffahrtswege frei, die hart umkämpft sind und verteidigt werden müssen

     

Neue Arbeitsplätze in Kiel und Wismar

Der neue Deal könnte der deutschen Rüstungsindustrie Medienberichten zufolge bis zu 100 Milliarden kanadische Dollar einbringen – umgerechnet etwa 62 Milliarden Euro. In der Rechnung enthalten sind Beschaffung, Wartung und Betrieb der hochmodernen U-Boote. Außerdem könnten neue Arbeitsplätze in den beim Bau beteiligten Werften in Kiel und Wismar entstehen.

Bedingung für den Vertrag sei, „dass der Wert unserer Investition zu 100 Prozent durch Investitionen hier in Kanada ausgeglichen werden“, hob Carney hervor. Denn auch sein Land erhofft sich durch die Partnerschaft mit Deutschland neue Jobs.

Pistorius: „Meilenstein für transatlantische Sicherheit“

Bundeskanzler Friedrich Merz sprach von einem „starken Zeichen der transatlantischen und europäischen Zusammenarbeit.“

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius nannte den Schritt einen Meilenstein für transatlantische Sicherheit. Beide hatten bereits vor Monaten bei Besuchen in Kanada intensiv für den Deal mit dem deutschen Unternehmen TKMS geworben.