Das US-Gesundheitsministerium will die Zahl der für alle Kinder empfohlenen Impfungen senken. Betroffen sind unter anderem Immunisierungen gegen Rotaviren und Influenza. Minister Kennedy gilt als Impfskeptiker – Fachleute schlagen Alarm.
Die US-Regierung hat den staatlichen Impfplan für Kinder deutlich überarbeitet. Wie das Gesundheitsministerium mitteilte, soll die Zahl der für alle Kinder empfohlenen Impfungen künftig gesenkt werden – die bisher empfohlene Impfung gegen sechs Krankheiten, darunter Rotaviren und Influenza, werde aus dem Impfplan gestrichen.
Stattdessen würden Impfungen gegen diese Krankheiten nur noch für bestimmte Risikogruppen oder auf Anraten von Ärzten im Rahmen einer sogenannten „gemeinsamen Entscheidungsfindung“ empfohlen, hieß es. Hochrangige Beamte des Gesundheitsministeriums erklärten laut der Nachrichtenagentur AP, dass die Entscheidung ohne Einbeziehung eines Beratungsgremiums getroffen worden sei, das üblicherweise den Impfplan mitbestimmt.
Experten warnen vor Rückkehr von Krankheiten
US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. hatte zuvor die Impfkommission mit der Überprüfung der mehr als 30 Jahre alten Regeln beauftragt. Der Neffe des früheren Präsidenten John F. Kennedy gilt als ausgewiesener Impfskeptiker – unter anderem brachte er Impfungen mit Autismus bei Kindern in Zusammenhang, was wissenschaftlich nicht erwiesen ist. Der neue Schritt „schützt Kinder, respektiert Familien und stärkt das Vertrauen in das öffentliche Gesundheitswesen“, erklärte Kennedy nun.
Die Reform steht im massiven Widerspruch zu den seit Jahren bewährten und wissenschaftlich fundierten Empfehlungen zur Senkung von Krankheiten durch Routine-Impfungen. Experten hatten bereits zuvor ähnliche Entscheidungen kritisiert. Sie warnen vor einer Rückkehr potenziell tödlicher Krankheiten, die durch Impfungen im Kindesalter als weitgehend ausgerottet galten.
In den USA sind einige Impfungen wie die gegen Masern, Mumps und Röteln für die Einschulung verpflichtend, andere werden dringend empfohlen. In zahlreichen Bundesstaaten können Eltern ihre Kinder jedoch befreien lassen, zum Beispiel aus religiösen Gründen.