Protokolle schreiben, Strafanzeigen fertigen, rechtssicher formulieren, aber auch Anweisungen geben und Konflikte beruhigen – das sind Kernaufgaben von Polizisten und Polizistinnen, sagt die Leiterin der Polizeiakademie Berlin, Nancy Boy-Seifert. Gleichzeitig seien genau das die größten Herausforderungen beim Finden von Nachwuchskräften.
Wer sich für die Ausbildung im mittleren Dienst bewirbt, muss unter anderem ein Diktat und einen Grammatiktest bestehen. Doch das schafft gerade einmal etwas mehr als die Hälfte. „40 Prozent aller Bewerbenden (…) fallen entweder durch das Diktat oder den Deutschtest oder verfehlen beide dieser Mindestanforderungen“, erklärt die Akademieleiterin.
Defizite bestehen unter anderem bei der Orthografie und Zeichensetzung, Groß- und Kleinschreibung sowie der Verwendung von Artikeln und Zeitformen. Das führe zu Problemen, Sachverhalte darzustellen, Texte zu verstehen oder sich zu artikulieren.
Anforderungen sollen nicht gesenkt werden
Weil es an Nachwuchskräften fehlt, wird immer wieder darüber nachgedacht, die Anforderungen im Bewerbungsverfahren zu senken, zum Beispiel das Diktat abzuschaffen. Doch das ist keine Lösung, sagen die Verantwortlichen. Zu viele Grundlagen müssten dann während der Ausbildung nachgeholt werden und dafür sei nicht genug Zeit, sagt Leonhard Maier, verantwortlicher Psychologe für die Eignungsdiagnostik im Einstellungsverfahren bei der Polizei.
Seit einem Jahr gibt es für die Bewerbenden allerdings die Möglichkeit das Diktat mit einem neuen unbekannten Text im Auswahlprozess zu wiederholen. Ob das am Ende zu mehr Auszubildenden führt, ist noch nicht klar.
Social Media als Hilfe zur Selbsthilfe
Wer Polizist werden will, muss gut Deutsch können. Das soll den Interessierten so früh wie möglich klar sein. Insbesondere in den sozialen Netzwerken macht die Berliner Polizei immer wieder darauf aufmerksam, beispielsweise mit einem Polizei-Influencer. Vielen sei gar nicht bewusst, dass „der Traum vom Traumberuf endet“, wenn die Deutschkenntnisse nicht ausreichend sind, sagt Benjamin Brümmer, Leiter des Social Recruiting bei der Polizei.
Damit die Bewerber die Anforderungen besser einschätzen können, hat die Polizei Berlin Übungsdiktate online gestellt. „Wir geben ein paar Tipps, was sie für die Vorbereitung nutzen können (…), aber wir können den Weg nicht für sie gehen. Sie müssen sich schon selbst vorbereiten.“ Weitere Hilfe dabei könne man „auch gar nicht abdecken“, so Brümmer.
Vorbereitungskurse helfen
Darüber hinaus existiert lediglich ein weiteres kostenfreies Vorbereitungsangebot. Das Bildungswerk in Kreuzberg bietet einen ausbildungsvorbereitenden Lehrgang mit Schwerpunkten unter anderem in Deutsch, Geschichte, Politik und Recht an. Gefördert wird das Programm durch die Berliner Senatsverwaltung für Arbeit und Soziales.
Eine Möglichkeit, die offenbar Früchte trägt, wenn sie denn genutzt wird. Die Akademie verzeichne „ganz erstaunliche Quoten“, wenn Bewerber und Bewerberinnen den Lehrgang vorab besuchten, sagt Akademieleiterin Boy-Seifert. Von 50 Teilnehmenden würden es nach dem Vorbereitungslehrgang in der Regel 90 Prozent von ihnen in die Ausbildung schaffen.
Problem zieht sich durch die Ausbildung
Knapp bestandene Deutschtests im Bewerbungsprozess sichern allerdings noch keinen Platz im Polizeidienst. Um den Nachwuchs erfolgreich durch die zweieinhalbjährige Ausbildung für den mittleren Dienst zu bringen, sind die Auswahltests bewusst so gestaltet, dass Defizite sichtbar werden.
Wer Schwächen zeigt, wird in ein verpflichtendes Förderprogramm aufgenommen, das die sprachlichen Fähigkeiten stärkt und auf die Deutsch-Zwischenklausur im dritten Semester vorbereitet.
In der Vorbereitung „bringen wir sie dorthin, dass sie sich vernünftig ausdrücken, mit Subjekt, Prädikat, Objekt einen Satz bilden und den Artikel nicht vergessen“, erklärt Boy-Seifert. Das Bestehen ist Voraussetzung, um die Ausbildung insgesamt absolvieren zu können.
Hoffnung auf den Einsatz Künstlicher Intelligenz
Der Bedarf an Nachwuchs wird größer: Bis 2030 werden etwa 30 Prozent der Polizistinnen und Polizisten in Rente gehen. Die Polizeiakademie hofft daher auch auf den zukünftigen Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI).
Polizisten könnten bei Ihrer Arbeit beispielsweise Sprachaufnahmen durch die KI automatisch in Text umwandeln lassen. Dieser Text würde anschließend geprüft und an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Dann wäre es möglich, im Auswahlverfahren andere Fähigkeiten wie Medienkompetenz zu prüfen und die Rechtschreibung weniger zentral zu betrachten. Die KI könnte diese Kompetenz übernehmen, so Boy-Seifert. Auch Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel wolle die Integration von KI im Polizeibetrieb vorantreiben, aber da stehe man noch am Anfang.
457 Nachwuchskräfte – statt 624
Von 6.355 Bewerbern und Bewerberinnen für den mittleren Dienst der Schutzpolizei wurden 2025 nur 457 zur Ausbildung in der Polizeiakademie zugelassen. Ziel waren 624 Nachwuchskräfte.
Auch in den vier vorherigen Jahren konnte diese Zahl nie erreicht werden. Qualität geht auch hier vor Quantität und die deutsche Sprache wird erst einmal wesentlich für die Auszubildenden bleiben, denn sie sei immer noch die wichtigste Waffe der Polizei, so die Leiterin der Akademie.