Es ist ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen in Rheinland-Pfalz zwischen dem SPD-Ministerpräsidenten Alexander Schweitzer und seinem CDU-Herausforderer Gordon Schnieder. Der Ton zwischen den Spitzenkandidaten war respektvoll und sachlich. Doch der Amtsinhaber steht unter Druck. In der ARD-Vorwahlumfrage liegt seine Partei knapp hinter der Union.Dieses Element enthält Daten von 23degrees.io. Sie können die Einbettung solcher Inhalte auf unserer Datenschutzseite blockieren.
In so einem engen Duell kommt es besonders auf die Themen an, die kurz vor der Wahl die Menschen in Rheinland-Pfalz am meisten beschäftigen. Ein Überblick, welche Debatten nach vorne drängen und wie die Parteien dazustehen:
Bildung
Seit Monaten wird im Land über Probleme an Schulen diskutiert. Immer wieder berichten Lehrkräfte von zunehmenden Konflikten im Alltag.
Bundesweite Aufmerksamkeit bekam im vergangenen Herbst eine Realschule in Ludwigshafen. Mehrere Reizgasalarme lösten dort innerhalb kurzer Zeit größere Polizeieinsätze aus. Lehrkräfte berichten von Vandalismus und Angriffen. An einer Grundschule in der Stadt waren 35 Erstklässler sitzen geblieben. Auch deshalb ist die Situation an den Schulen ein zentrales Thema im Wahlkampf.
SPD-Spitzenkandidat und Ministerpräsident Schweitzer kündigt an, stärker auf Probleme einzelner Schulen reagieren zu wollen. Etwa mit mehr Teams aus Sozialarbeitern und Psychologen, die die Lehrkräfte an Schulen unterstützen sollen. „Jede Schule, die uns schildert, hier gibt es ein Problem, bekommt ein passendes, adäquates Angebot“, sagte Schweitzer im SWR.
CDU-Herausforderer Schnieder fordert in besonders schwierigen Fällen gar Videoüberwachung an Schulen. Außerdem setzt er auf verpflichtende Sprachförderung vor der Einschulung. „Die Kinder müssen am ersten Tag, wenn sie in die Grundschule kommen, Deutsch können. Nur dann haben sie eine Chance auf Bildung“, sagte er im TV-Duell mit Alexander Schweitzer. Das letzte Jahr Kindergarten solle deshalb verpflichtend sein. Einigkeit besteht indes bei der besseren Bezahlung von Grundschullehrkräften: Sie sollen künftig nach A13 statt A12 besoldet werden.
Nach den aktuellen Umfragen könnte die AfD drittstärkste Kraft in Rheinland-Pfalz werden. Sie sieht Migration als eine Belastung für das Bildungssystem. In ihrem Programm schreibt die Partei, Einwanderung überfordere Schulen und fordert unter anderem mehr Abschiebungen von Menschen ohne gültigen Aufenthaltsstatus. Kinder dürften erst dann in den Regelunterricht, wenn sie ausreichend Deutsch sprechen.
Gesundheit
Weiteres zentrales Thema im Wahlkampf ist die Gesundheitsversorgung, vor allem in ländlichen Regionen. Im Februar vergangenen Jahres meldeten in Rheinland-Pfalz zehn Kliniken des Deutschen Roten Kreuzes Insolvenz an. Bereits zuvor hatten mehrere Krankenhäuser im Land geschlossen oder ihr Angebot reduziert.
Auch bei Hausärzten zeichnet sich ein Engpass ab. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz waren Mitte 2025 rund 44 Prozent der Hausärzte älter als 60 Jahre und werden in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen – für viele Praxen fehlt bislang eine Nachfolge.
Die SPD setzt deshalb auf sogenannte Regiokliniken. Dort sollen vor allem in ländlichen Regionen Alltagsnotfälle behandelt werden, etwa Sportverletzungen. Ärzte verschiedener Fachrichtungen und Pflegekräfte sollen hier gemeinsam arbeiten. Für die Notfallversorgung möchte die SPD die Telemedizin ausbauen: Notärzte könnten Patienten dann auch aus der Ferne unterstützen, etwa über Apps oder per Telefon. Außerdem sollen medizinische Abschlüsse aus dem Ausland schneller anerkannt werden.
Die CDU will vor allem die Zahl der Medizinstudienplätze erhöhen und kündigt 200 zusätzliche Plätze an. Mit Stipendienprogrammen will die Partei Anreize schaffen, damit sich Ärztinnen und Ärzte auf dem Land niederlassen. In der Notfallversorgung fordert sie außerdem, alle fünf Rettungshubschrauber im Land mit Nachtsichtgeräten auszustatten, damit sie auch bei Dunkelheit eingesetzt werden können.
Erstmals könnte auch die Linke in den rheinland-pfälzischen Landtag einziehen. Die Partei liegt in der Vorwahlumfrage bei fünf Prozent. Sie will private Krankenhäuser in die öffentliche Hand überführen. Außerdem will sie den Zugang zur Psychotherapie erleichtern und einen Krisendienst für Menschen in psychischen Ausnahmesituationen aufbauen.
Wirtschaft
Wirtschaftlich ist Rheinland-Pfalz stark von der Pharma- und Chemieindustrie geprägt. Große Arbeitgeber wie der Chemiekonzern BASF und die Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim und BioNTech gehören zu den wichtigsten wirtschaftlichen Zugpferden im Land. Zudem prägen mittelständische Betriebe, darunter auch Zulieferer für die Automobilbranche, die Wirtschaft in Rheinland-Pfalz. Doch die Unternehmen ächzen unter hohen Energiekosten und überbordender Bürokratie.
Nach Angaben des Statistisches Landesamtes ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen. Betroffen sind demnach rund 10.000 Arbeitsplätze im Land.
Die SPD plant deshalb, einen günstigeren Industriestrompreis durchzusetzen, um Unternehmen zu entlasten. Die CDU kündigt dagegen in ihrem Wahlprogramm eine Initiative im Bundesrat an, um die Stromsteuer zu senken.
Die Grünen, derzeit noch Teil der Landesregierung, setzen im Wahlkampf vor allem auf den Ausbau der Infrastruktur. Straßen, Schienen, Bus- und Bahnverbindungen sollen ausgebaut werden, um Rheinland-Pfalz als Wirtschaftsstandort attraktiver zu machen. Außerdem wollen sie Glasfaser und Mobilfunk ausbauen. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, soll die Meisterausbildung kostenfrei werden.
In einem Punkt herrscht allerdings parteiübergreifend Einigkeit: SPD, CDU, Grüne, FDP, AfD und Die Linke fordern allesamt einen deutlichen Abbau von Bürokratie.