Die Nähe zu US-Präsident Trump bereitet der AfD auch Probleme

Von | 1. Februar 2026

22. Januar, Wahlkampfauftakt der AfD für die Wahl in Baden-Württemberg. Parteichefin Alice Weidel ist nach Heilbronn gereist, um „Ministerpräsidentenkandidat“ Markus Frohnmaier zu unterstützen. Doch über Frohnmaier und dessen Vision für Baden-Württemberg spricht sie wenig – sehr wenig. Ein Mal nur wird sie ihn ihrer rund vierzigminütigen Rede erwähnen, ganz am Ende, und eher beiläufig. „Wählt die AfD. Wählt uns. Wählt Markus Frohnmaier“, sagt Weidel da. Im Zentrum ihrer Rede steht eine andere Person: der amerikanische Präsident Donald Trump.

Lovebombing für Trump?

Und was heißt schon Rede? Oft schwärmt Weidel regelrecht. In Davos habe Trump „eine fulminante Rede“ gehalten, „einen Volltreffer“ gelandet. Gleich zweimal heißt es „Donald Trump hat recht“. Weidel führt den US-Präsidenten als Kronzeugen dafür an, dass der „Green Deal“ der Europäischen Union „vielleicht der größte Schwindel der Geschichte“ sei. Als sich die AfD-Parteichefin gegen die Energiewende ausspricht, führt sie aus, man müsse mit Energie Geld verdienen und nicht Geld verlieren, so Weidel. Donald Trump habe das auch ja schon gesagt. Ist das noch Beziehungsarbeit oder doch schon Lovebombing?

Beziehungsstatus: kompliziert

Alice Weidel und Donald Trump, die MAGA-Bewegung und die AfD- der Beziehungsstatus ist kompliziert, anders als man nach Weidels Lobeshymne vermuten könnte. Vor wenigen Wochen klang die Bewertung von Trumps Aktionen noch ganz anders. Als Venezuelas Staatschef Maduro bei einem US-Einsatz gefangen genommen wurde, war von der AfD-Spitze zunächst nichts zu hören. Und dann Kritik: Weidel warf Trump vor, „gegen ein elementares Wahlversprechen verstoßen“ zu haben – sich nämlich nicht in andere Staaten einzumischen, das müsse er seinen eigenen Wählern erklären. AfD-Co-Fraktionschef Chrupalla sprach von „Wildwest- Methoden“, die abzulehnen seien.

Irritation bei der Trump-Administration

Das dürfte bei der Trump-Administration einige Irritationen hervorgerufen haben. Die Republicans Overseas sprachen von zerschlagenem Porzellan, nannten die Kritik „einfach dumm.“ Und auch AfD-Parteifreunde wirkten unangenehm überrascht. Schließlich erhofft man sich von den USA angesichts eines drohenden Verbotsverfahrens politische Schützenhilfe.

Und waren nicht im Dezember noch scharenweise AfDler in die USA gepilgert? Alle voran der außenpolitische Sprecher Markus Frohnmaier, der seine eigenen Aktivitäten in seinen Social-Media-Videos ausführlich würdigte. Und immer wieder betonte, wie wichtig es doch sei, der MAGA-Regierung zu zeigen, dass sie mit der AfD zuverlässige Partner in Deutschland hätten.

Das Dilemma der Trump-Nähe

Doch jetzt zeigt sich das Dilemma: Es stellt sich heraus, dass die Nähe zu Trump auch Risiken birgt. Wie passt es zum Beispiel zusammen, dass sich eine Partei als patriotisch bezeichnet, aber einen US-Präsidenten feiert, der Deutschland und Europa schikaniert und mit Zöllen schadet?

Auch in der AfD und ihrem Vorfeld finden sich Kritiker dieses Kurses. Benedikt Kaiser etwa – Vordenker der neuen Rechten – kritisiert das „devote, würdelose und pauschal unkritische Trump-Abfeiern“ und mahnt, die AfD täte gut daran, nicht die „fünfte Kolonne“ von MAGA-Washington zu sein. Das rechtsextreme Compact-Magazin zeigt ein Bild von Trump und Weidel in der Pose von Rhett Butler und Scarlett O’Hara aus dem Film „Vom Winde verweht“ und titelt: „USA und AFD – Gefährliche Liebschaft.“

Nähe zu Trump spaltet AfD-Wähler

Auch die AfD-Wähler scheinen nicht recht zu wissen, was sie von all dem halten sollen. Die Zustimmung zu Trump ist auch bei ihnen gesunken. Stefan Merz vom Wahlforschungsinstitut Infratest dimap hat festgestellt, dass die Nähe zu Trump nicht unbedingt ein Gewinnerthema für die AfD ist. Bei einem Teil kommt der US-Präsident gut an, bei dem anderen Teil aber eben nicht. Und weil die Anhänger aller anderen Parteien Trump geschlossen ablehnten, könne man eben mit einer Nähe zu Trump keine zusätzlichen Anhänger gewinnen, so Merz.

ICE und die Folgen

Auch das gewalttätige Vorgehen der Einwanderungsbehörde ICE, bei dem im Januar 2026 zwei Menschen getötet wurden, ist für die AfD nicht unproblematisch. Zumal die bayrische AfD-Fraktion gerade in einem neuen Positionspapier eine Abschiebegruppe gefordert hat. Sie soll „AFA“ heißen „und ähnlich wie das ICE“ vorgehen.

Der Höcke-Vertraute und Bundestagsabgeordnete Stefan Möller blickt mit Sorge auf die Situation in den USA. Schließlich verfolge die AfD mit ihren Remigrationsforderungen durchaus ähnliche Abschiebe-Konzepte. Es dürfe aber auf keinen Fall passieren, so Möller, „dass man in seinen Maßnahmen übersteuert und dabei eben Gefahr läuft, die Zustimmung der Bevölkerung zu verlieren.“ Auch hier kann es Probleme für die AfD mit sich bringen, sich zu eindeutig an die Seite Trumps zu stellen.

AfD für Trumps Friedensrat

Weidel kündigte bei ihrem Auftritt in Heilbronn auch an, man werde, wenn man als AfD in Regierungsverantwortung sei, dem neu gegründeten Friedensrat von Trump beitreten. Kostenpunkt: eine Milliarde Dollar. Bisher sind Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Belarus, Aserbaidschan, Argentinien, Ungarn oder Pakistan dabei.

Allerdings schob Weidel dieser Ankündigung noch eilig einen Satz hinterher. Man habe eigene Interessen und vertrete deutsche Interessen und keine Interessen anderer Staaten. Möglicherweise hatte sie die Sorge, dass nach all dem Lob für Trump ein anderer Eindruck entstanden sein könnte.

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