Besuch bei Premier Modi: Merz nennt Indien „Wunschpartner“

Von | 13. Januar 2026

Friedrich Merz ist überall. Kilometerlang an Straßen, dutzendfach auf Kreuzungen, sogar auf Hausdächern prangen hunderte riesige Plakate mit dem Foto des deutschen Kanzlers neben seinem Gastgeber, dem indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi.

„Lang lebe die indisch deutsche Freundschaft“ steht darauf. Auf manchen Plakaten ist Friedrich Merz auch neben Mahatma Ghandi im Schneidersitz zu sehen: Darauf steht: „Willkommen im Land von Ghandi“.

Plakate von Friedrich Merz und Narendra Modi sind in Ahmedabad (Indien) zu sehen.

Mit großen Plakaten wurde Friedrich Merz in der indischen Stadt Ahmedabad empfangen.

Merz und Modi: Gespräche über Russland

Genau damit beginnt auch der Besuch des Kanzlers. Zu den Klängen eines Mädchenchors in der Ghandi-Gedenkstätte muss er sich erst einmal die Schuhe ausziehen. Denn hier darf niemand mit Schuhen rein. So schreitet der deutsche Kanzler auf schwarzen Socken in den Schrein, neben ihm Narendra Modi in weißen Socken.

So gegensätzlich wie die Socken sind die beiden Regierungschefs nur in wenigen Punkten. Dass Indien nach wie vor große Mengen an Öl und Gas aus Russland bezieht, sieht Merz natürlich kritisch.

Narendra Modi empfängt Friedrich Merz an der Gedenkstätte für Mahatma Gandhi in Ahmedabad (Indien).

Gemeinsam besuchten Friedrich Merz und Narendra Modi die Gedenkstätte für Mahatma Ghandi – traditionell ohne Schuhe.

Öffentlich zeigt sich der deutsche Kanzler dazu aber nach seinem langen Vier-Augen-Gespräch mit dem indischen Regierungschef ausgesprochen diplomatisch: „Modi hat mir ausführlich erklärt, dass sein Land mit 1,4 Milliarden Einwohnern über wenig eigene Ressourcen verfügt – und daher noch abhängig von Russland ist.“

Deutschland will Indien als Handelspartner

Er sei der letzte, der „mit erhobenem Zeigefinger anderen Ländern Besuche“ mache. Stattdessen wolle er konstruktive Lösungen finden. So nennt Merz Indien einen „Wunschpartner“. In der aktuellen Situation, in der Großmächte Lieferketten und Rohstoffe als Machtmittel einsetzen, sollten sich Deutschland und Indien dem gemeinsam entgegensetzen. Das mache beide Länder widerstandsfähiger, wie der Kanzler glaubt.

Auch Indien leidet unter den amerikanischen Zöllen. Es ist also der richtige Zeitpunkt für Merz, zu zeigen, dass Deutschland und Europa die besseren Handelspartner sind, die Zölle nicht als Druckmittel einsetzen.

Bereits Ende des Monats könnte dahingehend der nächste große Schritt gelingen: das Freihandelsabkommen zwischen Indien und der EU. Der Kanzler zeigte sich nach dem Gespräch sehr zuversichtlich. Die Kooperation in Verteidigung und Sicherheit soll ebenfalls ausgebaut werden. Bisher ist auch in diesem Bereich Russland ein enger Partner Indiens.

Schnellere Visa für Fachkräfte aus Indien

Schon jetzt schätzt der Kanzler Inderinnen und Inder als „mit die erfolgreichsten Zuwanderer“ in Deutschland ein. Er kündigte an, den Weg für „legale und geordnete Migration“ aus Indien freizumachen – unter anderem mit Schnellverfahren für Visa.

Nach einem Treffen mit indischen Studenten lobte er ihren Fleiß und ihre Zielstrebigkeit. Deutschland brauche solche Fachkräfte, etwa in der IT-Branche, bei Dienstleistungsberufen oder im Gesundheitsbereich.

Neben den vielen politischen Terminen hatte der deutsche Kanzler auch noch ein kleines Freizeitprogramm als Alternative für Staatenlenker: Beim Drachenfestival durfte er kurz mal einen Riesendrachen lenken.

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