Es sind die schwersten Luftangriffe seit Wochen: Israel hat mehrere Ziele im Süden des Gazastreifens beschossen – als Reaktion auf einen Bruch der Waffenruhe durch die Hamas. Die Terrormiliz bestreitet das und gibt Israel die Schuld.
Trotz der vereinbarten Waffenruhe hat die israelische Armee in der Nacht erneut im Gazastreifen angegriffen. Nach Angaben der von der militant-islamistischen Hamas geführten palästinensischen Gesundheitsbehörden wurden dabei mehr als 20 Menschen getötet. Es seien Wohnhäuser, Zelte, Notunterkünfte und eine Polizeistation getroffen worden. Unter den Trümmern seien noch immer Menschen eingeschlossen, teilten die Behörde weiter mit.
Es waren die schwersten Luftangriffe Israels seit Wochen. Die israelische Armee erklärte, Ziele seien Kommandeure der Hamas und des islamischen Dschihads gewesen – als Reaktion auf „Verstöße der Hamas gegen das Waffenruheabkommen“. Die Hamas warf dagegen Israel vor, die Waffenruhe verletzt zu haben.
Unterschiedliche Angaben zu Opfern
Ein Angriff traf eine Polizeistation in der Stadt Gaza. Unter den Getöteten befänden sich sowohl Polizeibeamte und Mitarbeiter der Wache als auch Zivilisten, die sich dort zum Zeitpunkt des Angriffs aufhielten, hieß es weiter.
Bei einem anderen israelischen Angriff wurde eine Notunterkunft in Al-Mawasi in der Stadt Chan Junis im Süden des Palästinensergebietes getroffen, wo Zehntausende vertriebene Palästinenser in Zelten leben, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete.
Die Angaben zu den Opfern unterscheiden sich je nach Quelle. Zunächst hatten die Gesundheitsbehörden im Gazastreifen von elf Toten gesprochen, inzwischen liegt die Zahl bei 27. Krankenhäuser in Gaza gehen sogar von mehr als 30 Toten aus.
Grenzübergang Rafah soll geöffnet werden
Die Angriffe erfolgten einen Tag vor der geplanten Öffnung des Grenzübergangs Rafah an der Grenze zu Ägypten in der südlichsten Stadt Gazas. Alle Grenzübergänge des Gebiets – die übrigen liegen an der Grenze zu Israel – waren während fast des gesamten Krieges geschlossen. Die zunächst begrenzte Öffnung des Grenzübergangs ist der erste wichtige Schritt in der zweiten Phase des von den USA vermittelten Waffenstillstands, der am 10. Oktober in Kraft getreten ist.
Israel und die Hamas werfen sich jedoch immer wieder Verstöße gegen die Vereinbarung vor. Die israelische Regierung pocht auf eine Entwaffnung der Hamas und die Zerstörung des von den Islamisten genutzten Tunnelsystems im Gazastreifen.