Hinter der kurzzeitigen US-Zollandrohung im Streit um Grönland sieht Verteidigungsminister Pistorius ein mögliches Missverständnis. Bei Caren Miosga wies er Vorwürfe zurück, Deutschland habe zur Eskalation beigetragen.
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat die Entsendung von Bundeswehrsoldaten im Rahmen einer NATO-Erkundungsmission nach Grönland verteidigt. „In der NATO wussten alle Bescheid. Das war abgestimmt unter den NATO-Partnern“, sagte er in der ARD-Sendung Caren Miosga.
Kurz nach Beginn der Erkundungsmission hatte US-Präsident Donald Trump unter anderem Deutschland mit Zöllen gedroht und diese Drohung später zurückgenommen. Pistorius vermutet dahinter ein Missverständnis auf Seiten der USA. „Wie das zustande gekommen sein mag, das will ich mal dahingestellt sein lassen“, sagte er.
„Keine symbolische Wirkung gegen jemanden“
Mit der Mission habe man nicht zur Eskalation beigetragen, sagte Pistorius. „Dass die Androhungen der Strafzölle dann vom amerikanischen Präsidenten zurückgenommen worden sind, zeigt ja, dass es offenbar ein Missverständnis in Washington gegeben hat“, so Pistorius.
„Es ging nicht um symbolische Wirkung gegen irgendjemanden“, sagte er weiter. „Es ging darum zu zeigen: Die NATO trägt Verantwortung auf Grönland – und das haben wir getan.“ Als Teil Dänemarks zählt Grönland auch als NATO-Gebiet.
Pistorius: Kein Abkommen geschlossen
Beim Weltwirtschaftsforum in Davos hatte sich Trump nach eigenen Worten mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte auf einen „Rahmen für eine künftige Vereinbarung“ zu Grönland geeinigt. Von einem Abkommen könne man nicht sprechen, betonte Pistorius jetzt. Es sei lediglich ein Gespräch gewesen – „ohne Beteiligung Grönlands und Dänemarks“.
Pistorius: Äußerungen zu Afghanistan waren „respektlos“
Außerdem wiederholte der Verteidigungsminister Kritik an Äußerungen Trumps zum NATO-Einsatz in Afghanistan. Dieser hatte sich über mangelnde Unterstützung der Verbündeten beschwert. Trump hatte gesagt, die Partnerstaaten hätten zwar Truppen geschickt, aber „sie blieben etwas zurück, etwas abseits der Front.“
Auf Nachfrage sagte Pistorius, er halte eine Entschuldigung für angemessen. „Das wäre ein Zeichen von Anstand und Respekt und auch von Einsicht, aber wir wissen alle, wie der amerikanische Präsident funktioniert.“ Beim Einsatz in Afghanistan waren 59 Bundeswehr-Soldaten ums Leben gekommen, etwa 500 Soldaten wurden verletzt, teils schwer.
„So über die Gefallenen der Verbündeten zu reden, ist einfach unanständig und respektlos. Alle standen da, standen an der Seite der USA. Heute etwas anderes zu behaupten ist schlicht nicht wahr“, so Pistorius. Das wolle er auch beim nächsten Aufeinandertreffen mit seinem US-Amtskollegen Pete Hegseth ansprechen.
„Nicht jede Äußerung immer kommentieren“
Gleichzeitig betonte der Verteidigungsminister, dass man nicht auf jede Äußerung Trumps reagieren müsse: „Ich finde, damit sollte man es bewenden lassen. Denn ganz ehrlich, wenn wir jede Äußerung, die täglich über verschiedene soziale Medien oder auch Pressekonferenzen kommt, kommentieren würden, hätten wir viel zu tun und keine Zeit mehr, uns um die wirklich wichtigen Dinge zu kümmern.“